Mentale Stärke und Resilienz

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«Geht nicht, gibt's nicht - ausser du entscheidest dich für das Nicht-gehen und bleibst eben stehen.»

 

Als Mentaltrainer und Coach von Führungskräften und Mitarbeitenden im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Arbeitsintegration für KTV und IV, begegnen mir Menschen mit dem immer gleichen Problem – das selbstsabotierende Mindset.

 

Wie Menschen die Welt wahrnehmen und sich darin bewegen, wird davon bestimmt, welche Erfahrungen sie machen und wie sie diese emotional bewerten. Negativ bewertete Erfahrungen trainieren unentwegt das Alarmsystem des Gehirns, wodurch ähnlich schmerzhafte Handlungen frühzeitig gestoppt werden und Betroffene zur Aussage verleitet, dass es nicht gehe – genauso verhält es sich mit den für Veränderungen unverzichtbaren Trainingsreizen. Dieses Schutzverhalten ist die pure Selbstsabotage und immer eine klare Entscheidung für den Status Quo.

 

Wer sich aber für das Ziel und damit für die nötigen Trainingsreise entscheidet, wird mit regelmässiger Übung die Schutzhaltung überwinden können und schon bald Fortschritte sehen – dieser Entscheidungswille und diese Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist das erlernbare, selbstbestärkende Mindset!

«Das grosse Problem ist, dass Probleme nicht mehr als solche erkannt werden, weil man sich bereits an die Lebensumstände gewöhnt hat. Mit der Konsequenz, dass man sich ständig um das Problem herum organisiert und es damit laufend bestärkt.»

Da Menschen ihr tägliches Verhalten kaum verändern, machen sie wiederholt die gleichen Erfahrungen - mit denselben Gedanken und Gefühlen als Feedback ihrer Handlungen. Hält diese Routine an, festigt das Gehirn das stetig repetierte Denk- und Verhaltensmuster und es entstehen Wertvorstellungen, Erwartungshaltungen und Glaubenssätze.

Da die Erfahrungen immer ganz individuell bewertet werden, sehen Menschen die Welt aus ihrem erlernten, individuellen Blickwinkel und so unterschiedlich wie ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen eben sind. Verändern sich plötzlich die Lebensumstände, geraten Weltsicht, Werte und Selbstbild ins Wanken und die Identität ist bedroht.

 

«Sorgenvolle Gedanken und Gefühle von Unsicherheit haben ihren Ursprung im Denken, welches auf bedrohte Werte, nicht erfüllte Erwartungen und unbewusste Glaubenssätze zurückzuführen ist».

 

Die Alltagsgewohnheiten werden kaum reflektiert, weshalb viele Glaubenssätze unbewusst bleiben. In Veränderungsprozessen sind diese Glaubenssätze und unbewussten Denk- und Handlungsmuster die wahren Saboteure – und nicht die plötzlichen Veränderungen des Weltgeschehens.

So stehen Mentale Stärke und Resilienz für Fertigkeiten, sich an die laufenden Veränderungen des Lebens anzupassen, doch der Natur gemäss ist die Gewohnheit zäh wie Klebstoff und der Mensch träge - diese Trägheit hilft zwar Energie zu sparen, doch ist sie in Veränderungsprozessen ein echtes Problem.

 

Das Gehirn benötigt jede Menge Energie und will mit dieser Energie sparsam umgehen. Dies passiert, indem es ein bestimmtes Verhalten lernt und automatisiert, das Gehirn optimiert sich selbst und spart damit Energie. Es ist kein blosses Denkorgan, das mit negativen Gedanken die Psyche tyrannisiert, sondern es ist zuallererst das Steuerungsorgan, das sämtliche homöostatischen Prozesse im Körper kontrolliert und 24/7 bemüht ist, konstante physiologische und biologische Verhältnisse aufrechtzuerhalten, Ungleichgewichte auszubalancieren und das Überleben zu sichern. Potenzielle Gewebeschädigungen sollen abgewendet werden, indem Körperwahrnehmungen und Gefühle wie Wut, Ekel oder Schmerz dazu ermahnen, vorsichtig zu sein. Unangenehme Gefühle verweisen auf schädliches Verhalten, angenehme Gefühle auf adäquates Verhalten. Ersteres ist dominanter, denn Schutz hat immer Priorität.

«Das Gehirn lernt von schmerzhaften Erfahrungen und prognostiziert - oft sehr kreativ – mögliche Schadensszenarien für die Zukunft. Mit stetiger Repetition wird das Gehirn richtig gut darin und das ist bezeichnend für negatives Denken».

 

Die eigentliche Gefahr ist aber nicht das negative Denken oder die Schadensgefahr an sich, sondern vielmehr ist es die Art und Weise, wie Menschen auf diese Körperwahrnehmungen reagieren. Unwohlsein oder auch Schmerzen stehen nicht direkt für einen Gewebeschaden, sondern sind in erster Linie ein Warnsignal, welches auf mögliche Konsequenzen hinweist und uns achtsam werden lässt.

Werden die körperlichen Anzeichen über längere Zeit nicht beachtet und korrigierende Reaktionen bleiben aus – die Gründe dafür sind vielfältig und psychologischer Natur – intensiviert das Gehirn die Schutzbemühungen und leitet gegebenenfalls weitere Massnahmen ein. Solche, wie Bewegungseinschränkungen, Schwindel oder Ohnmacht können Betroffene verunsichern und ängstigen. Wenn das Gefühl von Unsicherheit anhält, ist das Gefahrenradar höchst aktiv und das Gehirn sehr sensibel - der Status Quo will unbedingt beibehalten werden, frei nach dem Motto: Erst einmal stehenbleiben und weiteren Schaden verhindern.

 

«Bleibt die Stressaktivierung hoch und regenerative Prozesse aus, können daraus immunologische Reaktionen und hormonelle Veränderungen resultieren».

 

Hier setzen Mentaltraining, Neurozentriertes Training und medizinische Entspannungsmethoden an, denn wo Veränderungen anstehen, ist die Desensibilisierung des Gehirns im Fokus. Wissenschaftlich fundierte mentale Techniken wie Autogenes Training und Hypnose sowie körperorientierte Methoden wie Qi Gong, Progressive Muskelentspannung und Atemarbeit, helfen die Entspannung einzuleiten, regenerative Prozesse anzukurbeln und zusätzlichen therapeutischen Methoden den Weg zu bereiten – die psychologischen Methoden fördern die Zukunftsorientierung und schulen das lösungsorientierte Verhaltens-Repertoire. Methoden, die sich des Trainingsprinzips bedienen, wie eben das Mentaltraining, können Fortschritte auch messbar machen.

 

«Die Skalierbarkeit ist besonders in der Arbeitsintegration während einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit von Bedeutung, denn damit wird die Wiedereingliederung lenkbar».

 

Entspannte Personen sind achtsamer, reflektieren ihr Denken und Handeln und erkennen das selbstsabotierende Verhalten als das eigentliche Problem - das kranke Mindset wird geschwächt, die Mentale Stärke gestärkt und die Anpassungsfähigkeit geschult. Bewusst reflektierte Erfolge bestärken das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit und die Selbstwirksamkeitsüberzeugung steigt.

 

«Kurzgefasst geht es nicht um die Bewältigung von negativen Gedanken, Sorgen, Zweifel und Ängsten, sondern um den verantwortungsvollen und selbstbestärkenden Umgang damit – das ist das gesunde Mindset.»