Die Psychosomatik verstehen und wirklich gesund bleiben.


Zahlreiche Kranke aber auch Schulmediziner wählen heute vermehrt die TCM? warum?

Dr. Med. Fritz Friedl berichtet im Buch Das Gesetz der Balance über den Weg zur ganzheitlichen Gesundheit.

Der Schulmediziner litt als Student an einer Krankheit, welche er nach Anwendung der TCM überwinden konnte. Er ist der Überzeugung, dass die Komplementärmedizin heute wichtiger den je ist und insbesondere in der Behandlung von schweren Krankheiten zur Anwendung kommen sollte. Denn, die Schulmedizin, welche Körper, Geist und Seele getrennt voneinander sieht, die heutigen Krankheiten nicht verstehen kann. Mit Symptombekämpfung kann kein Gesundungsprozess erfolgen.

Die Traditionelle Chinesische Medizin nimmt sich der ganzen Person an. Sie weiss um die Wechselwirkung von Körper und Geist.

Herr Friedl berichtet von einer Patientin, deren Geschichte ihn nachhaltig geprägt hat. Er erkannte die psychosomatischen Zusammenhänge und welche Vielschichtigkeit einer Erkrankung zu Grunde liegt.

Frau S. war 43 Jahre alt und von Beruf Sekretärin, als sie zu mir wegen ihres Übergewichts in Behandlung kam. In den zehn Jahren davor hatte sie stark zugenommen, inzwischen brachte sie 108 kg auf die Waage. Sie hatte viele Diäten gemacht, jedoch ohne Erfolg. Und weil ihr alle Arzte bisher Disziplinlosigkeit vorgeworfen hatten, wollte sie von dem Thema eigentlich gar nicht sprechen. Dafür von anderen: von einem Ekzem unter den Armen und in der Leistengegend, von ihrer starken Monatsblutung, von der Pille, die sie nicht vertragen hatte. Ich fragte nach ihren Lebensumstanden

und erfuhr, dass sie im Büro einer grossen Firma arbeitete. Sie war

dort Mädchen für alles. Jeder mochte sie, weil sie allen half und sich für alles zuständig fühlte. Abends weinte sie oft, weil die Kolleginnen ihr noch einiges auf den Schreibtisch geknallt hatten, bevor sie selbst pünktlich nach Hause gingen.

Nein sagen konnte die Frau nicht.

Es hätte ja sein können, dass die anderen sie dann ablehnten. Und das Büro war doch der einzige Ort, wo sie geschätzt und gebraucht wurde. Ob sie denn nie in einer Beziehung gelebt hatte, fragte ich. Doch, mit 20 hatte sie einen Freund, der Medizin studierte. Sie war schon berufstätig, führte den Haushalt und half dem Freund, das Studium durchzuziehen.

Als sie dann schwanger war, freute sie sich sehr auf das Kind und

träumte von der Kleinfamilie. Aber der Freund drohte sie zu verlassen, woraufhin sie sich zur Abtreibung entschloss. Sie weinte noch jahrelang um das Kind, auch dann noch, als der Freund sein Studium abgeschlossen und ihr den Laufpass gegeben hatte. Nach der Abtreibung nahm sie dann zu. In dieser Zeit schluckte sie auch die Pille und hatte immer mehr Stress mit dem Freund.

Ich beobachtete während des Gesprächs meine Reaktionen. Ich war

ja grundsätzlich mitleidsfähig und leistungsbereit, aber die Kette unglücklicher Entscheidungen und Ereignisse machte mich letztendlich hilflos.

Nachdem mir kurz durch den Kopf geschossen war, was ich dem Freund erzählt hatte, der sich jahrelang durchfüttern lies, um dann nach erfolgreichem Abschluss die Fliege zu machen, kämpfte ich zunehmend mit Ermüdungserscheinungen. Alles schien aussichtslos: der durchsichtige Versuch, Zuneigung durch eigene Opferbereitschaft zu erhalten, der sich im Arbeitsleben wiederholte; der Versuch, die eigene Empfindlichkeit durch ein Fettpolster zu stabilisieren.

Die Unfähigkeit, eigene Bedürfnisse zu artikulieren und zu leben, war offensichtlich.

Aus anfänglichem Mitleid wurde bei mir Wut und dann einfach nur Ratlosigkeit. Frau S. erzählte munter weiter. Obwohl unser Gespräch schon eine Stunde dauerte, zeigte sie keinerlei Ermüdungserscheinungen. Jetzt berichtete sie auch von ihren Diäten, den Ärzten, die sie gekränkt hatten, der Kurbehandlung, die von der Kasse abgelehnt worden war. Wie von selbst kam sie auf die Rolle des Essens in ihrem Elternhaus zu sprechen: ''Wenn

du deine Mama lieb hast, dann isst du jetzt alles auf''. Dazu hatte ihre Mutter doch immer ihren Bruder bevorzugt. Inzwischen war die Mutter pflegebedürftig. Frau S. besuchte sie regelmässig im Heim, buhlte immer noch um ihre Gunst und wollte, dass ihre Mutter stolz auf sie war. Offenbar war die Mutter aber dement, auf wenige Lebensäusserungen reduziert. Selbst wenn sie gewollt hätte, hätte sie ihrer Tochter die gewünschte Anerkennung gar nicht mehr zubilligen können.

Ich suchte nach einem Ausweg – für mich, unser Gespräch und für

die Patientin. Was sie denn sonst so mache in ihrer Freizeit, fragte ich sie. Sie lese viel, gab sie zurück. Ein Lichtblick, dachte ich, wenigstens die Fantasie scheint intakt zu sein. Ich erwartete, dass sie Liebesromane, Gedichte oder doch wenigstens Reiseberichte lesen würde. ''Was lesen Sie denn am liebsten?'', fragte ich sie. ''Den Spiegel'', gab sie zurück. Sie könne nicht verstehen, wie viel Korruption, Elend und Ungerechtigkeit es in der Welt gibt. Es mache sie zwar völlig fertig zu lesen, was alles passiere und

wie schäbig Menschen sich benehmen würden. Aber auf diese Weise sehe sie, dass es auch anderen Menschen nicht gut gehe. Daher fühle sie sich weniger unzufrieden mit ihrer eigenen Lebenssituation.

An diesem Tag habe ich zum ersten Mal begriffen, warum die chinesische Medizin zwischen der Verarbeitung von stofflichen und nicht stofflichen Einflüssen keinen Unterschied macht.

warum wir umgangssprachlich mit verdauen sowohl das Verarbeiten von Nahrung als auch das Verarbeiten von Erfahrungen meinen.

Diese Frau hatte die Fähigkeit, sich ständig zu überfordern, in aussichtslose Situationen zu bringen und an ihnen zu scheitern.

Ich begriff, dass Menschen, die im Sumpf stecken, eine Affinität zu Trübem entwickeln und sich freiwillig nach unten ziehen lassen.

Ich begriff, dass man Informationen – aus der Presse oder heutzutage dem Internet – verwenden kann, um sich selbst am Leben zu hindern, und dass es einen Leidensdruck gibt, der sich selbst am Leben erhält.

Ich begriff, was die Chinesen unter ''Mittenschwäche'' verstehen – die Unfähigkeit, unverträgliche Ausseneinflüsse abzuwehren, sich gegen die Umwelt zu behaupten und seine eigene Persönlichkeit zu entfalten.

Ich begriff, wie wenig es nützt, solchen Menschen mit Kalorienplanen zu begegnen, und dass alle Vorwürfe und Kritikpunkte nichts sind gegen das, was diese Menschen sich selbst bereits antun.

Ich begriff, dass durch Gespräche, Verhaltenstherapie oder Diätkuren zwar Symptome verbessert werden können, aber nicht die Grundhaltung, die tief einzementiert das Verhalten bestimmt.

Es machte mich neugierig herauszufinden, warum die chinesische

Medizin ohne eine Form der Gesprächstherapie auskam und trotzdem Probleme wie das von Frau S. beeinflussen konnte.

Ich verstand schliesslich, warum das Grübeln, das nutzlose Hin-und-Her-Denken und geistige Auf-der-Stelle-Treten als Ausdruck und nicht als Ursache dieser Störung verstanden wird. Und warum trotz allen Überflusses (an Fett und Gewicht) der Mangel (an Widerstandskraft) für die Chinesen im Vordergrund steht:

Wer sich nicht abgrenzen kann, der wird zum Mülleimer für Schicksals-Schläge, zum Fussabtreter für Kollegen und zum Sammelbecken für nicht Verarbeitetes.

Die Geschichte erkenne ich bei Menschen in meinem Umfeld ebenfalls. Und ich gehe davon aus, dass auch Sie solche Menschen kennen.

Ich sage leben sie rebellisch! übernehmen sie Verantwortung, leben sie selbstbestimmt, werden sie sich selbst bewusst und dadurch wirklich heil.

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