In Ketten. Ständig ruft die Verpflichtung. Mein Wohl bleibt auf der Strecke.


Voll bewusst. Die Fremdbestimmung hat mich mal wieder im Griff. Keine Auszeit trotz Grippe.

Während ich diesen Text schreibe, liege ich krank im Bett. Trotzdem, die Gedanken muss ich teilen, da es mal wieder der Klassiker der Fremdbestimmung ist. Insbesondere bei mir, dem pflichtbewussten Menschen.

Vor genau einer Woche machte ich mich frühmorgens auf um an einem Krav Maga Wochenendseminar teilzunehmen. Ein Sommercamp von Freitag bis Sonntag mit regelmässigen Trainings. Ich war mit dem Motorrad unterwegs und nach rund einer Stunde begann es mich zu frösteln. Das Wetter war zwar sonnig und doch, die Temperaturen frühmorgens recht tief. Freitag Abend nach dem ersten Training wusste ich, da ist eine Grippe im Anmarsch. Ich ging also anstelle des abendlichen Schlummertrunks mit den Trainingskameraden direkt ins Bett und hoffte darauf, dass es tagsdarauf am Samstag wieder besser sein würde.

Samstag Morgen, Frühstückszeit. Ich fühl mich schlapp. Kaputt und ohne Motivation. Was Nun?

Da ich an diesem Seminar zwar nicht instruierte aber als Instruktor daran teilnahm, lastete eine gewisse Vorbildfunktion auf mir. Zumindest ist es die Aufgabe von Instruktoren, die Teilnehmenden nebst dem instruieren auch zu motivieren.

Ich machte mit. Keine Frage. Kopfschmerzen uns Schnupfen schön beiseite geschoben. So richtig fremdbestimmt.

Es war möglich mich zurückzuziehen. Aber nein, ich wollte das Bild des Instruktors aufrechterhalten. Zum einen den Spirit einer Leaders und zum anderen das Bild des unerschütterlichen Instruktors. Also das Bild, was die Teilnehmenden in der Regel von Fortgeschrittenen haben. Zu Instruktoren schaut man ja für gewöhnlich hoch. Das tut auch mir gut. Dadurch bin ich aber fremdbestimmt. Wir richten uns nach dem vermeintlichen Bild anderer Menschen.

Nun am Ende des Seminars, endlich zuhause, warf ich mich ins Bett. Komplett angeschlagen. Aber.... es war noch nicht vorbei. Ich hatte mich dazu verpflichtet, bei meinem Teilzeit-Arbeitgeber (Sicherheitsbranche) eine zusätzliche Funktion zu übernehmen. Und stell dir vor. Die Einarbeitung war tags darauf. Also wieder Ärmel hochkrempeln und eine Woche durchbeissen. Am vierten Tag verliess ich das Büro in Zürich.

Ich kam auf die Strasse uns sagte zu mir; ''endlich Wochenende!'' Auf der Rückfahrt, 20 Minuten später, kam dann das Fieber. Begleitet von Gliederschmerzen, Schnupfen und Husten.

Die Grippe brach aus als ich die Verpflichtungen abhaken konnte. Dumm nur, dass ich nun zuhause liege und morgen bereits wieder ein Hochzeitsfest stattfindet. Ich brauche mich also heute zu schonen, damit ich mich wieder in die Verpflichtung stürzen kann.

Du siehst, die Fremdbestimmung ist immerzu da. Sie nimmt uns ein. Davor sind wir nicht gefeiht. Was wir aber machen können ist uns dieser Fremdbestimmung bewusst zu werden. Schritt für Schritt die Kontrolle zu übernehmen. Die Fremdbestimmung basiert auf unserer persönlichen Bewertung einer Situation. Aber genauso die Lösung.

Ist uns was unwichtig, haben wir die Kontrolle (Selbstbestimmung). Ist uns etwas wichtig, hat die Sache oder der Mensch die Kontrolle (Fremdbestimmung). Frag dich also des öfteren:

Wieviel Wert gebe ich diesen Verpflichtungen?

Sei es aus Anerkennungs-Sehnsucht oder aufgrund Loyalität.

Was auf den zweiten Blick aber das Gleiche ist :-)

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